Montag, 26. Februar 2007

Basler Morgenstraich

















Mein Freund, das Chaos, war auch dabei.
Das Chaos ist verlässlich und unkaputtbar.
Alles fing wie immer ganz harmlos und gut gemeint an, dann heftete es sich leise und unbemerkt an meine Fersen.



















Vorrausgehend zog sich ein miesewettertauglicher, gemütlicher Geburtstagsbrunch lindwurmartig durch den Tag bis in den frühen Abend.
Um 22:29 Uhr sollte dann unser Zug nach Basel zum Morgenstraich zuckeln. Fahrpläne steckten korrekt ausgedruckt in meinem Rucksack. 5 nach 10 fuhren wir los Richtung Stadt, ich stellte die Shrunk-Limousine vor meine Haus- und Hofwerkstatt in die Nähe des Bahnhofs mit der Absicht, dass mein Hofmechaniker bis zu unserer Rückkehr die Kiste unter sein fachmännisches Visier nimmt. Undefinierbare Klopfgeräusche bei Geschwindigkeitsverlust, stinkender Qualm aus beiden Vorderrädern und apruptes Zicken und Stehenbleiben am Berg bei der letzten Ausfahrt veranlassten mich zu dieser Massnahme. Ich warf also den Zündschlüssel mit ordnungsgemässem Handzettelauftrag in den Briefschlitz und wir trabten los zum Bahnhof.



















Als wir am Bahnsteig eintrafen, fuhr gerade ein Zug ab. Ich schaute auf die Uhr - das böse Denken war schon im Anmarsch - wir hatten aber noch 10 Minuten. Das böse Denken verflüchtigte sich wieder. Die Fahrkarten, die gar nicht mal so billig waren, schon gelöst, schauten wir noch mal auf die Fahrplantafel. Hm, da stand was anderes als auf meinem Druck. Argh! Schweizer Bahnhof in Konstanz ist was anderes als Kreuzlinger Bahnhof in Kreuzlingen - fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren...du böser Denkfehler du!
Zug weg, Zündschlüssel weg - gekonnt...



















Das Handy, mein ungeliebter Freund, zitierte den Mechaniker zeitplanmässig hinter den Briefschlitz zum Zündschlüssel und klopfend nahmen wir die Verfolgung der Eisenbahn auf. Zürich, 00:06 Uhr, das könnten wir schaffen. Rauf auf's Gas, bei Frauenfeld runter wegen Blitzer, bis Zürich wieder rauf. 23:45 Zürich an, rein ins nächste Parkhaus, den heutigen verpassten Waldlauf als nächtlicher Züricher Strassenlauf nachgeholt, um 00:02 am Gleis 16, rein in den überfüllten Waggon und los Richtung Basel - röchel.














In Basel tobte das Leben. Alles was Beine hatte und noch mehr war unterwegs. Wir trollten uns auf einen Cafe Creme in eine der gut geräucherten Kneipen und zogen dann durch die von Trubel erfüllte, nächtliche Stadt. Zwischendurch machte immer wieder Petrus seine Schleusen auf, doch pünktlich um 4:00 Uhr schloss er sie wieder zeitgleich mit dem Verlöschen aller elektrischen Lichter der Innenstadt. Auf Kommando tauchten dann aus allen Himmelsrichtungen und Gassen pfeifend, trommelnd und gänsehauttauglich die Maskierten auf. Tausende von Menschen säumten die Strassen und verfolgten mit Blicken und Kameras das archaische Treiben.



















Stunden später - der Wettergott war uns zum Glück wohl gesonnen und es blieb trocken - fuhren wir müde, durchgefroren aber glücklich wieder nach Zürich, und von dort erstaunlicherweise ohne glühende Bremsen und Klopfgeräusche zurück nach Konstanz, wo der Schlaf der Gerechten auf uns wartete.
Schee wars!



















"You should call it entropy. Nobody knows what entropy really is, so in a debate you will always have the advantage."
John von Neumann



















Wir straichen durch den Basler Morgen

Samstag, 24. Februar 2007

Mein Wannenbad


















Es muß wieder mal sein.
Also: Ich steige hinein
In zirka zwei Kubikmeter See.
Bis übern Bauch tut es weh.
Das Hähnchen plätschert in schamlosem Ton,
Ich atme und schnupfe den Fichtenozon,
Beobachte, wie die Strömung läuft,
Wie dann clam, langsam mein Schwamm sich besäuft.
Und ich ersäufe, um allen Dürsten
Gerecht zu werden, verschiedene Bürsten.
Ich seife, schrubbe, ich spüle froh.
Ich suche auf Ausguck
Vergebens nach einem ertrinkenden Floh,
Doch fort ist der Hausjuck.
Ich lehne mich weit und tief zurück,
Genieße schaukelndes Möwenglück.
Da taucht aus der blinkenden Fläche, wie
Eine Robinsoninsel, plötzlich ein Knie;
Dann - massig - mein Bauch - eines Walfisches Speck.
Und nun auf Wellen (nach meinem Belieben
Herangezogen, davongetrieben),
Als Wogenschaum spielt mein eigenster Dreck.
Und da auf dem Gipfel neptunischer Lust,
Klebt sich der Waschlappen mir an die Brust.
Brust, Wanne und Wände möchten zerspringen,
Denn ich beginne nun, dröhnend zu singen
Die allerschwersten Opernkaliber.
Das Thermometer steigt über Fieber,
Das Feuer braust, und der Ofen glüht,
Aber ich bin schon so abgebrüht,
Daß mich gelegentlich Explosionen -
- Wenn´s an mir vorbeigeht - -
Erfreun, weil manchmal dabei was entzweigeht,
Was Leute betrifft, die unter mir wohnen.
Ich lasse an verschiedenen Stellen
Nach meinem Wunsch flinke Bläschen entquellen,
Erhebe mich mannhaft ins Duschengebraus.
Ich bück mich. Der Stöpsel rülpst sich hinaus,
Und während die Fluten sich gurgelnd verschlürfen,
Spannt mich das Bewußtsein wie himmlischer Zauber,

Mich überall heute zeigen zu dürfen,
Denn ich bin sauber. -

Joachim Ringelnatz

Die Kluge

"Oh hätt ich meiner Tochter nur geglaubt..." sinniert singend der Bauer über sein Schicksal.
So klang es am Donnerstag Abend von der Bühne im Stadttheater. Und so ähnlich klingt's manchmal auch im wirklichen Leben.
"Denn wer viel hat / hat auch die Macht, / und wer die Macht hat, / hat das Recht, / und wer das Recht hat / beugt es auch, / denn über allem herrscht Gewalt!"

Es ist schwer auszumachen, wer von den Darstellern Schauspieler/in oder Sänger/in ist, stellen doch sowohl die Sänger von der Philharmonie ihr schauspielerisches Talent als auch die Schauspieler wacker ihre Singstimmen unter Beweis.
Die Bühne ist schlicht, aber mit raffinierten, beweglichen Elementen ausgestattet.
Genial das königliches Bett, welches aus dem Schnürboden geschwebt kommt - mein absoluter Favorit.

Archaisch schlicht und schnell erzählt - der Märchenstoff, aus welchem das Stück gewebt ist.
Ein einfältiger Bauer fällt trotz Vorwarnung seiner klugen, schönen Tochter auf die List des Königs rein und wird zur Strafe in den Kerker geworfen. Mit Klugheit und Witz verhilft ihm die Tochter zur Freiheit und sich selbst in die königlichen Gemächer. Liebe ist - was wär ein Märchen ohne sie? - mit im Spiel. Des Königs kluge Gefährtin zeigt aber Ungehorsam und wird in Folge dessen mit einer Truhe voll dem Liebsten, was sie besitzt, vor die königliche Tür gesetzt. Kurzerhand verpasst sie dem König einen Schlaftrunk und packt ihn in die Kiste.
"Klug sein und lieben kann kein Mensch auf dieser Welt." Oder doch?
Kein schönes Märchen ohne Happy End, am Schluss siegt die Liebe.
Und wenn sie nicht gestorben sind...dann ist die Moral von der Geschicht: ohne Liebe nutz auch Klugheit nicht.

Grimmscher Märchenstoff und Orffsche Rhythmen schön verpackt in ein erfrischend mitreissendes Musiktheater.

Und - das muss noch gesagt werden - das Haus war wieder mal rappelvoll.
Als ich neulich zufällig auf die Theaterseite surfte, las ich das:
"Kurz vor knapp
Schüler und Schülerinnen sowie Studierende erhalten an der Abendkasse kurz vor Vorstellungsbeginn Karten in den verfügbaren Kategorien zu 5,–. Euro."

Theater-Lastminute, eine nette Idee, finde ich. Ein rechter Fux ist er, der Nix ;-)

Donnerstag, 22. Februar 2007

Im Zeichen der Fische

Die Legende zu den Pisces haben sich die Griechen von den Babyloniern "geliehen", sie spielt in der Gegend des Euphrat.

Es war die Zeit, als die Titanen durch Zeus von der Erde vertrieben wurden. In dieser Zeit bekam Mutter Erde (Gaia) Nachwuchs von Tartaros (dieser ist keine Person, sondern der unterste Ort der Unterwelt - dort, wo sich die Titanen aufhalten mussten). Der Nachwuchs hiess Typhon, das schrecklichste Ungeheuer, das die Welt je gesehen hatte. Es hatte hundert Drachenköpfe, schwarze Zungen, feuerspeiende Augen, brüllte und schrie ganz furchterregend.

So wurde es auf die Welt losgelassen - gegen die Götter. Pan sah das Ungeheuer ankommen und warnte alle mit einem spitzen Schrei. Danach sprang er in besagten Fluss und verwandelte sich in einen Ziegenfisch, der im Sternbild Steinbock zu sehen ist.

Aphrodite hatte damals gerade erst frisch ihren Sohn Eros bekommen. Sie versteckte sich im Gebüsch am Ufer des Euphrat, bekam es aber dann doch mit der Angst zu tun. Also rief Sie die Wassernymphen. Diese brachten Aphrodite und ihren Sohn auf zwei Fischen in Sicherheit, oder verwandelten die beiden selbst in Fische - die Historiker sind sich hier uneinig ;-) Übrigens der Grund, warum die Syrer keinen Fisch assen.

Dienstag, 20. Februar 2007

Loch, grosses













Es war einmal ein Zahn,
der sass in meinem Kiefer,
er war der helle Wahn,
ein grader, nicht ein schiefer.

Er kaute Tag für Tag,
manch Brötchen mit Belag.
Auch die Möhr vom Acker,
tat er zermalmen wacker.

Der Zahn der wurde älter,
da sprach der Zahnarzt: "Geld her!
Steig hinauf auf diesen Thron,
dann kriegt der Beisser eine Kron".

Das Geld war weg, die Kron war drauf,
da nahm das Schicksal seinen Lauf.
Die Wurzel tat entzünden sich,
fing an zu brennen fürchterlich.

Der Mann im weissen Kittel,
mit vornedran nem Titel,
der runzelte die Brauen:
"Der Zahn wird nicht mehr kauen."

Er griff beherzt zur Zange,
da wurd mir Angst und Bange.
Erst wehrte sich das Zähnchen noch
an seiner Statt klafft nun ein Loch.

Dank und Gruss an all die zahlreich gedrückten Daumen und Grosszehen!