Sonntag, 30. November 2008

10. Galena Creek

Von Pelly Crossing/Yukon nach Eagle/Alaska mit dem Kajak





Seit Tagen waren wir keinen Menschen mehr begegnet und die Vorstellung, bald in Dawson City anzukommen, löste Freude und Befremden gleichzeitig aus. Freude über die ersehnte warme Dusche, frische Klamotten und die urigen Kneipen dort. Befremden darüber, wieder von hektischen Menschen und lauten Geräuschen umgeben zu sein.
Die Weite der Wildnis schärft die Sinne dermassen, dass man anfängt, die Stille zu hören, den Wind zu riechen und Unsichtbares zu sehen. Abgeschirmt von überflüssigen Reizen und Informationen entwickeln die Sinnesorgane eine Sensibilität, die man in solcher Intensität sonst nicht erlebt. Man taucht vollständig ein in die Natur, Ängste schwinden, Richtig und Falsch verlieren an Bedeutung - was zählt sind Kraft, Stärke, Intuition und das Wissen um Gleichgewicht.

Mit geschärften Sinnen stachen wir wieder in See, um die vorletzte Etappe vor Dawson in Angriff zu nehmen. Der Himmel empfing uns morgens schon mit Dawson Blau - jenem typischen, leicht ins Türkis driftende Blau, welches sich mir bisher so nur in der Region um Dawson City gezeigt hat. Der Sturm hatte sich gelegt und wir kamen in relativ ruhiges Fahrwasser und zügig voran.
Der Yukon wird in dieser Gegend immer breiter und unübersichtlicher, wie in einem Labyrinth suchten wir den richtigen Lauf zwischen den vielen Inseln und Sandbänken.
Am Nachmittag zogen dunkle Wolken auf und kündeten von baldigem Regen. Bernd erzählte etwas über ein Indianercamp in der Nähe, wo wir in einer Blockhütte lagern könnten. Ich fühlte mich aber noch frisch genug, um einige km weiterzupaddeln, ausserdem schien die Landestelle technisch schwierig zu sein. So verwarfen wir den Plan und als die Wolken platzten, waren wir schon fast an der Schlüsselstelle vorbei. Im letzten Moment entschieden wir uns um - eine exzellente Seilfähre und das Kehrwasser brachten uns schliesslich sicher ans Ufer. Mit dem Nötigsten bewaffnet rannten wir zur nächstgelegenen Hütte und kochten uns unter dem schützenden Vordach erst mal einen Kaffee. Auch hier kein Mensch weit und breit, am Weg hing ein Schild "For Sale".
Als der Regen etwas nachliess, schauten wir uns im Camp nach einer geeigneten Schlafstelle um. Es gab eine Blockhütte, die mit einem roten Band für Besucher ausgewiesen war.
Während Bernd alles Notwendige aus den Booten in die Hütte schleppte, hackte ich Holz, heizte schon mal den Ofen mächtig ein und versuchte draussen, ein Lagerfeuer zu entfachen, was sich aber mit dem feuchten Holz ziemlich schwierig gestaltete.
Irgendwann klappte auch dies und nachdem wir gespeist und uns häuslich eingerichtet hatten, machten wir noch einen Abstecher auf den Hügel hinter den Hütten, wo uns eine grossartige Aussicht auf den Fluss belohnte.
Wir hatten uns schon in "unserem" Cabin eingemummelt, als es wieder zu schütten anfing. Aaahh, wie gemütlich ! Das Holz knisterte im Ofen und verbreitete eine wohlige Wärme, der Regen trommelte dazu Stakkato und zur Feier des Tages köpften wir die Flasche selbstgemachten Wein, die uns Karen in Whitehorse mit auf den Weg gegeben hatte. Wir schliefen anschliessend wie die Bären...
Am Morgen danach weckte uns das gleiche Geräusch, mit dem wir abends eingeschlafen waren - Regenstakkato. Nach einem Besuch auf dem Outhouse und dem Erledigen der notwendigsten Bedürfnisse, krochen wir zurück ins Bett und verbrachten dort den restlichen Tag. Ab und zu warfen wir ein paar Holzscheite ins Feuer, dann wieder kochten wir Tee und fütterten uns gegenseitig, lasen und schliefen abwechselnd und erzählten uns haarsträubende Geschichten.
Abends taten sich zwischen den Wolkenfetzen die ersten blauen Löcher auf, wir krochen aus den Federn und erkundeten die weitere Umgebung. In der Nähe entdeckten wir einen kleinen Bach und neben dem Bachlauf eine weitere Hütte - eine Sauna! Es lagerte dort auch ein grosser Haufen trockenes Holz und flugs brannte schon das Feuer im Ofen und wir sassen im heissen Dampf und schwitzten. Ein genialer Abschluss dieses Hüttenzaubers war das anschliessende Abkühlen im eiskalten Wasser des Bergbachs...wir haben es knapp überlebt.
Innerlich und äusserlich gereinigt und ganz entspannt beschlossen wir bei Einbruch der Nacht, am nächsten Morgen weiter Kurs auf Dawson City aufzunehmen.

P.S.: Beim Recherchieren hab ich grade rausgefunden, dass Galena Creek, das hübsche Fleckchen Erde, für 240.000 CAD zu haben ist.

The Cure - From The Edge Of The Deep Green Sea [mp3]

TV On The Radio - Wolf Like Me [mp3]
R.E.M. - Daysleeper [mp3]

Sonntag, 23. November 2008

Antony & The Johnsons - Cripple And The Starfish

Meine Ohren kleben an dieser Stimme und kommen nicht mehr los...ich höre das Lied heute zum 39sten mal...was ist das? Gibt es Abhilfe?

"Gerade erst ein Album kann Antony Hegarty in seiner Diskographie aufweisen, da schwärmt eine Legende wie Laurie Anderson bereits in den höchsten Tönen von ihm. Und nicht nur das.Lou Reed zeigt sich von Antonys Gesangskunst ebenfalls beeindruckt und nimmt ihn 2003 mit auf seine "The Raven"-Tour."

...las ich gerade bei laut.de. Offensichtlich bin ich in bester Gesellschaft. Und offensichtlich gibt es Hegarty und seine Stimme schon ne ganze Weile, ist aber bisher seltsamerweise nicht zu mir durchgedrungen. Dafür jetzt um so heftiger. Wer spät kommt, dem ist der Dank von Hilde gewiss :)
Also, jetzt noch 1x, und dann gute Nacht !

video

Samstag, 22. November 2008

Fairsharing

Ganz gut gemacht, das kann ich ohne Einschränkung unterschreiben:

"Privates Kopieren ist kein Verbrechen!
Wie Millionen andere sind auch wir potentiell straffällig geworden, weil wir
irgendwann einmal zu privaten Zwecken Musik- und Filmdateien z.B. in P2P-Netzwerken getauscht haben. Gegen diese Kriminalisierung setzen wir uns zur Wehr: Das Kopieren und Tauschen von urheberrechtlich geschützten Musik- und Filmwerken zu privaten Zwecken soll künftig auch in der digitalen Welt legal sein. Gleichzeitig erkennen wir den Anspruch von Kunstschaffenden an,
für ihre getauschten Werke eine Kompensation zu erhalten.
Dafür dürfen aber Bürgerrechte nicht durch Maßnahmen wie z.B. Digitale Rechte Minimierung (DRM) eingeschränkt werden. Deswegen fordern wir eine öffentliche Diskussion über eine beide Seiten zufrieden stellende Lösung, wie z.B. die Einführung einer Kulturflatrate.
Kurz: Wir fordern Kompensation ohne Kontrolle."

mehr dazu bei Fairsharing

Antony & The Johnsons - Shake That Devil [mp3]
Antony & The Johnsons - Another World [mp3]

Freitag, 21. November 2008

Rote Fabrik: Joan As Police Woman



Neulich morgens - es war zwischen 7 und 8 Uhr, zwischen Dusche, Kaffee und Katzenfutter - lief eine brandneue CD, welche mir tags zuvor ein Freund geschenkt hatte. Ziemlich passend zur Tageszeit "To Survive" von "Joan As Policewoman". Absicht war, meiner untertourigen Morgenroutine mit musikalischer Untermalung etwas drive zu verleihen. Was da aus dem Lautsprecher tönte, war aber alles andere als easy listening. Der Sound verwandelte den gewünschten drive in ein Innehalten - als morgendliches Grundrauschen taugte das nicht. Ganz unpassend zur anstehenden Tagesordnung waren nur noch meine Ohren aktiv. Also, Platte raus, SWR3 rein - Steffi Tücking und Christian Thees als grundrauschende Alternative.
Ohne greifbar zu sein, wirkte die Musik nach wie ein Sog; nichts von den Songs setzte sich richtig fest und dennoch hatte ich das Bedürfnis, die Scheibe wieder zu hören.
Die sperrigen, nicht auf Anhieb eingängigen Balladen, getragen von der betörenden Soulstimme Joan Wassers wollen ungeteilte Aufmerksamkeit, und das am besten live.
Also begab ich mich am Donnerstag abend in die Rote Fabrik nach Zürich.

Pünktlich zur Türöffnung um 21 Uhr laufen wir dort ein. Ein Bier, ein paar Nüsse und schon lädt der pianolastige Sound der Vorgruppe Beach House zum träumen ein, reisst mich aber nicht gerade vom Hocker.

Kurze Pause, dann kommt Sie. Brünette Mähne, enger Glitzerfummel, schwarze Leggings und goldene Stifeletten. Am Schlagzeug nimmt Parker Kindred Platz und am Bass Joan's langjähriger Freund Timo Ellis, der die Ausnahmebassistin Rainy Orteca vertritt. Der Saal ist nicht überfüllt aber es sind genügend Leute gekommen, um dem Trio stürmisch zu applaudieren.
Nach knapper Begrüssung "Hello...how are you feeling tonight...thank you" steht sie auch schon hinter der mit Glitzerstoff verkleideten Hammond und zieht sofort das Publikum mit wunderschönen, geheimnisumwobenen Songs in ihren Bann. Später dann greift sie auch zur Gitarre, die Violine kommt an diesem Abend nicht zum Einsatz.
Wenig Worte, die Show aufs Wesentliche reduziert - trotz ihrer cool und distanziert wirkenden Art merkt man sofort, um wen und was es auf der Bühne geht.

Von Verlust, Liebe und Begehren handeln ihre schwer fassbaren, filigranen Lieder, die erst still und unscheinbar über ihre Lippen kommen um sich dann in monumentalen, intensiven Melodiekurven in luftigen Klangwolken fast zu verlieren. Immer aufgefangen und getragen von Joans wunderbar souligen, manchmal etwas verrucht zerbrechlichen, aber ausdrucksstarken und klangsicheren Stimme und dem reduziert und doch bedeutungsvoll eingestzten Fundament aus Klavier, Schlagzeug und Bass.

Erstaunlicherweise hat die Multiinstrumentalistin mit dem Singen und Songschreiben erst relativ spät angefangen.
In den 80ern liess sie sich an der New Yorker Musikhochschule zur klassischen Violinistin ausbilden um dann als gefragte Gastgeigerin im kreativen Umfeld unter anderem von Lou Reed, Elton John, Sheryl Crow, Rufus Wainwright, Anthony & the Johnsons mitzuwirken. Ende der 90er spielte sie mit ihrer ersten Band, den "Dambuilders" und der ehemaligen Begleitband ihres Freundes Jeff Buckley "Black Beetle". Als diese 2002 auseinanderbrach, gründete Joan Wasser ihre eigene Band "Joan As Police Woman", mit der sie zur Zeit anlässlich ihres zweiten Albums "To Survive" durch Europa tourt.

Jeff Buckley, mit dem Joan bis zu seinem tragischen Tod 1997 befreundet war, widmete ihr einst das Lied "Everybody Here Wants You". Und der Titel wird bestätigt. Aufmerksame Stille herrscht im Saal bis zum Schluss, unterbrochen nur vom begeisterten Applaus zwischen den Stücken. Absolut eindrucksvoll. Bisher kannte ich ein solch andächtiges Lauschen nur aus klassischen Konzerten
Sie wiederum widmete Buckley nun das Stück "To Be Lonely". Bezaubernd fragil, intensiv und verletzlich erzählt, ohne in Trauer oder Hoffnungslosigkeit zu verfallen, war es für mich der Favorit des Konzerts.

Am Ende bietet die Band noch eine Zugabe und Joan Wasser signiert am Merchstand persönlich alles, was man ihr unter die Nase hält. Dieses sehr intime Konzert liess - bis auf eine Kleinigkeit - nichts zu wünschen übrig.
Recht gewöhnungsbedürftig empfand ich Joan's Glitzerlook. Meine ausgeprägte Aversion gegen alles Glitzerige, vor allem auf Kleidung, endete zum Glück nicht in einem Fluchtreflex. Die angenehme Stimmung im Raum und die wunderbare Musik liessen mich nach kurzer Zeit nur noch das innere Glitzern und Funkeln wahrnehmen.

Inzwischen hörte ich die CD mehrmals aktiv und obwohl "To Survive" nicht grade ein fröhliches Album ist, ist es grossartig und hilft in verschiedensten Situationen beim Überleben. Man muss nur richtig hinhören.

Joan As PoliceWoman - To Be Lonely [mp3]
Joan As Police Woman - To Survive [mp3]
Antony And The Johnsons - Frankenstein [mp3]
Antony And The Johnsons - Cripple And The Starfish [mp3]
Jeff Buckley - So Real [mp3]
Jeff Buckley - Satisfied Mind [mp3]
Tim Buckley - Driftin [mp3]

Dienstag, 18. November 2008

Siemens - das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile

Siemens Chef Peter Löscher hatte wohl vom Baum der Erkenntnis genascht, als er im Zeichen des Konzernumbaus seine Managerriege für "zu weiss, zu deutsch und zu männlich" befand. Auch Aufsichtsratschef Cromme bemerkte: "Neben einer stärkeren Präsenz von Frauen bedürfe es größerer Internationalität in der Zusammensetzung der Kontrollgremien".
Der Konzernumbau ist erledigt und Löschers Ziele bekommen langsam Profil.
Siemens schaffte den Posten eines "Chief Diversity Officers" und besetze ihn mit der 45-jährigen Jill Lee. Die in Singapur geborene Lee, die nun Talente fördern soll, ist seit 1986 für Siemens in verschiedenen asiatischen Ländern tätig. Zudem solle der Portugiese Pedro Miranda die weltweite Verantwortung für das Projekt "Siemens One" übernehmen. Unter dem Titel bietet der Konzern Großkunden Produkte aller Konzernbereiche aus einer Hand an.
Nun aber überraschte Löscher und seine Aufsichtsratskollegen mit einem herzhaften Biss in den Apfel - als erste Frau in der 160jährigen Firmengeschichte nahm gestern Barbara Kux ihre Tätigkeit im Siemens-Vorstand auf.
Siemens ist damit das zweite der DAX 30 notierten Unternehmen, welches mit einem weiblichen Vorstandsmitglied aufwarten kann.
Bettina von Österreich , die andere DAX-Frau und im Vorstand der Hypo Real Estate, sitzt derzeit auf einem heissen Stuhl - vielleicht wird Barbara Kux bald wieder einzige Frau in der Dax 30 Riege sein.
Auf den Vorstandsbühnen der Weltwirtschaft gibt es noch mehrere weibliche Vertreterinnen - erwähnenswert Lorraine Bolsinger, die bei General Electric einen ähnlichen Job macht wie zukünftig Barbara Kux bei Siemens und - leider - als unrühmliches Beispiel ohne Vorbildfunktion: Blythe Masters, die Frau, welche die "finanzielle Massenvernichtungswaffe" Bistro gebaut hat.

Als "hervorragende Persönlichkeit mit einem breiten internationalen Erfahrungshintergrund", lobte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme die zukünftige Leiterin des neu geschaffenen "Ressort Supply Chain Management".
Siemens-Chef Peter Löscher erklärte: "Gerade angesichts der gegenwärtigen weltwirtschaftspolitischen Herausforderungen erfolgt die Bestellung von Frau Kux genau zum richtigen Zeitpunkt."

Bleibt zu hoffen, dass es kein saurer Apfel war.

Ihr neues Vorstandsmitglied ließ die Männergarde übrigens in der Pressemeldung des Konzerns zunächst mit keinem Satz zu Wort kommen.

Sonntag, 16. November 2008

Ein Nasenbein für Jimi

Mitch Mitchell Memory Post













So Mitch is back jamming with Jimi and Noel. The Experience has now left Planet Earth.

Einer, der Gitarre spielte wie ein Gott, hat seine Experience wieder um sich versammelt und - wer weiss - vielleicht machen sie eine Revival Tour im Himmel...

Rückblick

Es war ein warmer Spätsommertag. Ich sass im Garten meiner Mutter mit Blumen im Haar, Frieden im Herzen und "The Cry Of Love" auf dem Plattenteller meines Bruders. Es war die erste eigene Schallplatte, mühsam zusammengespart vom Restgeld des weinroten Cord-Maximantels, den ich mir bei einem Ferienjob in der Schokoladenfabrik Stehlin erarbeitet hatte.
"Angel came down from heaven yesterday..." sang Jimi und ich träumte...tomorrow I will be on your side...wie liebte ich diese Stimme, die Gitarre, die Riffs...er war meine erste grosse Liebe, unerreichbar und doch immer nah. Durch seine Musik, die jetzt in Form einer schwarzen Plastescheibe mein war. Wie hütete ich diesen Schatz! Kind noch, ein Mini-Teeny, schwärmte ich mich mit "Freedom" durch den friedlichen Tag. Einmal Gitarre spielen können wie er...
Dann:
"Jimi ist tot."
Meine Schwester.
Ich schrie... .
Doch, sagte sie.
Ich weinte.
Lief zum Plattenteller und drehte auf. Auch die Nachbarn sollten es hören "Sailing for your love Sailing home..."
Meine Mutter hatte Besuch. Ein Onkel, schwer verwundet an Körper und Seele. Im Krieg.
Einmal zeigte er uns seine körperlichen Narben und ich erschrak und verstand doch nicht viel.
Und er redete von merkwürdigen Dingen. Oft klang Hass aus seiner Stimme.
Auch dann, als er aus dem Zimmer trat und mich anbrüllte "mach diese Negermusik aus".
Erschrocken drehte ich ab um dann zwei Minuten später wütend wieder aufzudrehen. Volle Lautstärke.
Fast ein Kind noch, ein Mini Teeny, mit Blumen im Haar aber rebellisch.
Kurz darauf kam er wieder, sagte nichts, holte mit der Hand aus und schlug zu.
Es schmerzte und das Blut lief und die Tränen liefen.
Und doch verdrängte dieser Schmerz den um Jimi's Tod für eine fast wohltuende Weile.

3o Jahre später - meine Nase war inzwischen längst geflickt - bat mich der Onkel um Verzeihung. Der Onkel hat uns längst verlassen, aber die Musik von Mitch, Noel und Jimi ist geblieben, lebt weiter und hat nie etwas an Faszination eingebüsst.

"You got to tell the children the truth
They dont need a whole lot of lies
Because one of these days, baby
Theyll be running things
So when you give them love
You better give it right
Woman and child and man and wife
The best love to have is the love of life"

Jimi Hendrix - Remember [mp3]
Jimi Hendrix Experience - The Wind Cries Mary [mp3]

Montag, 3. November 2008

9. Riders on the storm

Von Pelly Crossing/Yukon nach Eagle/Alaska mit dem Kajak
"Paddeln bezeichnet die Fortbewegung eines Paddelboots durch einen Paddler mittels Paddel (Doppelpaddel oder Stechpaddel) und kommt vom frei in der Hand bewegten Paddel (eng. "paddle" = "rühren", "Rührstange"). Die einzelnen Paddelschläge werden dabei genutzt, um das Boot voranzutreiben, abzubremsen, zu steuern oder dem Boot zusätzliche Stabilität im labilen Gleichgewicht auf dem Wasser zu geben."
So steht es im Wikipedia.
Hinzufügen möchte ich noch Folgendes: Paddeln ist manchmal höllisch anstrengend, das Kajak auf Kurs zu halten erfordert viel Geduld und Konzentration. Vor allen Dingen, wenn einem ein strammer Wind von vorne ins Gesicht pustet und der Fluss nicht nur einfach still vor sich hinfliesst, sondern sich in wilden Strudeln windet.
Nachdem wir nun schon 7 Tagesetappen mit durschschnittlich 50 km gepaddelt waren, hatte ich ein gutes Gefühl für das Boot und die Technik entwickelt und es fuhr meistens in die Richtung, in die wir wollten.
Am folgenden Tag war es allerdings ein bisschen anders.
Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen und Bernd's frischgebrühter Kaffee und die Sonne weckten auch an diesem Morgen die Lebensgeister. Vor dem Paddelspass stand wieder die schon zur Routine gewordene Packerei, wir waren mittlerweile ein gut eingespieltes Team und der Lagerabbau klappte wie am Schnürchen.
Nachdem wir einige Kilometer zurückgelegt hatten, wurde es immer stürmischer, der Wind drückte die Boote zur Seite und wir hatten alle Mühe voranzukommen. Die starke Strömung und die vielen Kabbelwellen - "shoppy water", wie die Kanadier es nennen - machten es auch nicht einfacher. Im Kampf mit den Elementen liess sich das Kajak nur noch höchst widerwillig steuern und ich trieb in rasantem Tempo auf eine Felswand zu. Der heisse Ritt, der mich um ein Haar kentern liess, wurde glücklicherweise gebremst von einem am Felsen befindlichen Kehrwasser.
Nachdem ich mich mit Bernd's verbaler Unterstützung aus dem Kehrwasser manövriert hatte, ging es wieder Richtung Flussmitte und weiter unserem Tagesziel entgegen, Stewart Island, an der Mündung des Stewart River gelegen. Dort sollte es laut Flussführer einige Hütten und einen Laden geben.
Wir waren sehr verwundert und enttäuscht, als wir ausser den Resten einiger Cabins kein Stewart Island mehr vorfanden, zum grössten Teil war alles weggeschwemmt.
Der Fluss gibts, der Fluss nimmts...also paddelten wir weiter und schlugen alsbald mit unserem Zelt wieder mal auf einer Sandbank auf.


Guns N'Roses - Jumpin Jack Flash [mp3]
The Doors - Riders On The Storm [mp3]