Dienstag, 27. April 2010

Urinstinkte

Unheimlich glaube ich immer noch daran, dass sich Gesandte Al-Kaidas mit ihren Schäufelchen vom Hindukusch nach Island durchgruben, um dort unter dem Eis zu zündeln und den Rest der Welt zu veraschen.

Jedenfalls hatten sich die Aschewolke sowie alle anderen Wolken seit der letzten Wanderung verflüchtigt, weisse Streifen zerpflügten endlich wieder den eintönigen Himmel, die leicht morgendunstverhangene Sicht zauberte einen tiefblauen See und weichgezeichnete Silhouetten majestätischer Berge ins Blickfeld.
Nun, die Suche nach einem 5-Sterne Grillplatz gestaltete sich wieder mal ziemlich anspruchsvoll und zog sich ordentlich in die Länge. Von Brunnen am Vierwaldstättersee brachte uns die Bahn nach Flüelen am Urner See. Die 17 km Wegstrecke zurück nach Brunnen war geflankt von viel See auf der einen Seite und noch mehr Berg auf ringsrum, die Feuerstellen aber waren entweder zu privat oder zu verschwunden. So mussten wir unsere Gelüste vorzeitig in einem sonnendurchfluteten Biergarten stillen. Angesichts einer delikaten Zuger Kirschtorte verflüchtigte sich die Gier nach der Wurst und das folgende Erdinger Weissbier brachte den Weg als Ziel ganz schön ins Wanken.
Dann - Rauchzeichen am Ende des Weges, freundliche Jungmenschen liessen uns an ihrer Glut teilhaben, während sie sich selbst genügten und knutschend Frühlingsgefühle verströmten.
Für uns war die Wurst das Ziel. Treffsicher bohrte sich der Spiess ins Herz der Tomaten-Käse-Servela. Irgendwie.

Leider musste ich aufgrund der vorbereitenden Aktivitäten auf diesen fantastischen Abend verzichten
Blues is eben not all.

Bonnie Prince Billy - That's What Our Love Is
Paul McCartney Wings - Arrow Through Me
The Strokes - Take It Or Leave It

Mittwoch, 21. April 2010

Aschenputtel

Die Geschehnisse der fünften, rauchfreien Woche brodeln noch unter der Oberfläche, vulkanös, kurz vor dem Ausbruch senden dezente Rauchzeichen und vernebeln mir die Sinne.
Immerhin fand sich eine geschmacklich durchaus würdige Alternative zum Zigarettenrauch, die relativ milden Temperaturen und unsere Landesnachbarn mit den freundlichen Rachenlauten machten es möglich. Dort, hinter den sieben Bergen lässt es sich vorzüglich gehen und im Vorbeigehen entdeckt man viele der schweizer 5-Sterne-Grillplätze. Dazu die gute Olma-Bratwurst im Rucksack, ein Opinellmesser, Südkurier und Streichhölzer. Das Geniale ist immer einfach.
Vor Wochen, als der Kampf ums KKH tobte, drohte meinem Südkurier-Abo das Aus. Die Entscheidung entpuppte sich als Schall und Rauch, denn die Postille dient während der Fahrt in die Idylle als flüchtiger Lesestoff, dann als isolierende Sitzmatte zwischen mir und feuchtem Waldboden und letztendlich als vorzüglicher Brandbeschleuniger für die Kochstelle. Eine starke Ökobilanz für eine eher schwache Gazette.
Beim letzten Gehen erweiterte ich gedanklich das wärmende Nutzungsspektrum, da die al-qaidalische Aschewolke beim Überschreiten der 1000 Höhenmeter gefährlich nahekam und eine daraus resultierende Sichtbehinderung ein längeres Verharren am Berg in den Wahrscheinlichkeitsbereich rückte.

Zwei Olma Bratwürste, eine fettreduzierte Wurst und eine Leihwurst, gebräunt auf drei südkurierbeschleunigten Lagerfeuern, verteilt auf 60 km schweizer und 20 km deutschen Wanderwegen, das ist eine gute Bilanz.

Dafür lass ich mir schon mal auf die Schulter klopfen.









Them - Dirty Old Man
Them - Waltz of the Flies   

Mittwoch, 7. April 2010

Hasenjagd ohne Rauchzeichen

Man möchte ja gerne glauben, die Zeit jenseits der Glimmstängel läute eine Ära der gesichtlichen Entfaltung, der Lungen- und Raumentnebelung und das Ende der atemlos hüstelnden morgendlichen Sprints ins Leben ein, liesse gänzlich viel mehr Raum für Klimmzüge und mache sich letztendlich in einem dicken Geldbeutel bemerkbar, vollgefressen mit sinnfreiem Automatenmünz.
Wahr ist, dass mein Spinnennetz verwaist, weil spinnen und schreiben untrennbar mit Qualm verbunden sind, es qualmt in den Mund hinein und aus ihm wieder heraus, ja, der ganze Kopf und selbst die Finger qualmen und wenn man über heisse Themen schreibt, qualmt manchmal sogar das Herz des Rechners.
Nun seh ich mich vor der Herausforderung, Finger und Kopf ohne Initialqualm zum Qualmen zu bringen - keine leichte Aufgabe. Seit 3 Wochen versuche ich, meine Nikotinsynapsen umzupolen, ihnen gebetsmühlenartig einzubleuen: ohne Rauch gehts auch ohne Rauch gehts auch auch ohne Rauch gehts mhmhmh mh mh etc.pp. - bis dann diese von Gauloises Red gesponserte, sehr glaubwürdig klingende Stimme tief aus meinem Innern antwortet. mit Rauch ginge es besser.
Da komm ich heute abend nach einem wunderbaren Bergtag zur Türe rein, der Teint geglüht und die Lunge vollgepumpt mit erstklassigem Schweizer Bergsauerstoff und als erstes plärrt mir diese idiotische Stimme entgegen: ah, und jetzt erst mal eine durchziehen...
Weder Essiggurke, Katze noch Sudoku, geschweige denn Schokolade, es schmeckt nichts, aber auch so wirklich einfach gar nichts auch nur annähernd nach Rauch, die Suche nach rauchgeschmacklichen Alternativen bleibt erfolglos, vielleicht sollte ich mich der Schöpfung von nikotinangereicherten, kalorienfreien Schokoladestängeln mit leichtem Gauloisearoma widmen.
Von der Hasenjagd will ich schon seit 4 Tagen erzählen. Immerhin. Ich geh jetzt mal Synapsen umschulen.

Drive-By Truckers - "Girls Who Smoke"
Superchunk – "Never Too Young To Smoke"
Ganglians - "Cryin' Smoke"