Donnerstag, 1. Juli 2010

SMS

Etwas verwundert war ich.
"Komme um halb neun in Kloten an. Bitte holt mich ab. Grüsse von Pascal."
Eine SMS, vom Handy aufs Festnetz, schlicht und schnörkellos interpretiert von Frau Voice Sms.
Verwundert, erstens, weil Pascal ursprünglich mit dem TGV von Paris zurückfahren wollte, zweitens, weil Pascal nicht einfach im Festnetz anrief und drittens hätte er die SMS auch auf mein Handy schicken können.
Zugegeben, ich kann Handys nicht leiden und das Ding führt meist ein lieblos stummes Dasein in den Tiefen meines Rucksacks. Da haben Essemmessen nicht die besten Chancen, gelesen zu werden.
Aber warum nur, warum war der junge Mann seit Tagen nicht zu erreichen, warum beantwortete jedesmal die Automatenstimme meine Kontaktversuche mit der Feststellung, dass der Gewählte unerreichbar sei?
Eine weiteres Mysterium reihte sich ein in eine immer länger werdende Kette von Rätseln, die sich mir seit Pascals Abreise zur Offf nach Paris stellten, und die im gleichzeitigen, spurlosen Verschwinden unserer letzten Katze gipfelte. Aber dazu später, zurück zur SMS. 
Nach kurzer Verwunderung über die Art der Nachricht und der Vergewisserung, dass um halbneun eine Maschine aus Paris in Zürich Kloten landet, dachte ich nicht weiter über die geänderten Rückreisepläne nach, verbuchte sie unter "fliegen ist manchmal billiger als Zug" und ging weiter meiner geplanten Samstagsaktivität nach. Passende Deko zum Kleid wollte gefunden werden, um mit dem stufenbesten Bub beim Abi-Ball angemessen glänzen zu können.
Gesucht - gefunden - ab nach Zürich, um den verlorenen Sohn in Empfang zu nehemen. Nur, der war da nicht. Auch ein Ausrufen zur Information 2 lockte ihn nicht. Nach einer Stunde, als die letzten Passagiere des Pariser Fliegers geherzt und geküsst den Flughafen verlassen hatten, trat auch ich den Rückzug an, ungeherzt und ungeküsst, aber nicht ganz ohne Hoffnung, dass es wenigstens für dieses Rätsel eine Lösung geben möge.
Zuhause angekommen, fand ich einen glücklichen Sohn mit noch glücklicheren Freundin vor. Der Versuch, ihn wegen der SMS zur Schnecke zu machen, wurde durch den geschriebenen Originaltext, der sich noch auf seinem Handy befand, gründlich vereitelt.
Der lautete: "Komme um halb neun in KN an. Becky holt mich ab. Grüsse von Pascal."
Da hatte der Interpreter kurzerhand aus "KN" (für Konstanz) "Kloten" und aus "Becky" ein "bitte" gemacht...
Scheiss Technik. Wie kommt man auch nur auf die Idee, einer Automatenstimme zu folgen?

3 Kommentare:

  1. eine irre geschichte :mrgreen:. ich wäre ebenso wie du nicht im traum darauf gekommen, daß sowohl ort als auch namen neuinterpretiert werden. wahrscheinlich ist die text-zu-text-variante immer noch die sicherste. immerhin hat sich das mysterium aufgelöst, wenn auch deutlich zu deinen ungunsten. mal schaun, wann mich der nächste automat veräppelt ;-).

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  2. Hintergrund war, dass der Bub ständig auf dem letzten Loch pfeift und eine SMS günstiger kam als ein Anruf. Auf dem Festnetz landete sie, weil der Bub meine Nr nicht gespeichert hatte und die hatte er nicht gespeichert, weil mein Handy (fast) immer aus ist. Das ist (fast) immer aus, weil ich nicht erreichbar sein will, wenn ich ausser Haus bin, es sei denn, es ist etwas ganz wichtiges, denn wenn ich unterwegs bin, bin ich das gewöhnlich, weil ich etwas anderes zu tun habe, als zu telefonieren und ich tue sehr ungern mehrere Dinge gleichzeitig.
    Ich glaube, ich kann Handys wirklich nicht leiden ;-)

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